Abschied

17. August 2020

„Dann also …“, will ich beginnen. Doch ein aufdringlicher Schnorrer bahnt sich seinen Weg, beinahe Körperkontakt,  und als ich ihn etwas wirsch um Abstand bitte, verzieht er sich endlich. Und ich kann mich wieder meinen Schützlingen widmen: der Mutter und ihrer Tochter, die nach fünf Jahren nun endlich in eine eigene Wohnung ziehen werden. Raus aus dem Heim, gemeinsam mit den drei Schwestern, die zu Hause auf Umzugskartons warten.

Ich habe ihnen My mermaid puzzle zum Träumen gekauft. Sie puzzleten sich immer gerne  aus ihren zwei Räumen. Das hatte ich gesehen, bis das lockdownbedingte Besuchsverbot die Pforten der Übergangswohnheime schloss.

Mein Geschenk als kleine Erinnerung an gemeinsame Stunden und Jahre, an Ausflüge in den Zoo am Meer und die Antarctica-Ausstellung, an gemeinsam fabulierte Geschichten und Spiele, kleine Fluchten aus dem Alltag.

„Dann also viel Glück und passt gut auf euch auf!“

Der Abstand fühlt sich unnatürlich an. Normalerweise umarmen wir uns. So kann man doch nicht Abschied nehmen, denke ich, da sagt die Mutter: „Wenn das mit dem Virus vorbei ist, besuchst du uns zu Hause.“

Wir verteilen Kusshände und die beiden verschwinden Richtung Post.

Mehrere Jahre, habe ich kürzlich gelesen, könnte sie dauern, die Pandemie. Mal sehen, was bis dahin alles passiert.