Quiet Earth (Teil 5)

Der Kölner Hauptbahnhof. Ausgangspunkt vieler Geschichten seiner Vergangenheit. Wie es hier wohl ausgesehen hat im Quiet Down? Jetzt ist es laut wie immer, voll wie immer. Und so, wie er es sich vorgestellt hat. Er zieht ein paar gemächliche Runden durch die beiden Haupthallen, die Verbindungshallen, die Fressmeile.
Lass es still werden, denkt er sich. Und atmet durch den unsichtbaren Schlauch aus.
Die zweite Welle ist in Sicht. Noch ist der zweite Lockdown nur eine Angst. Aber die Virologen habe haben ihn und seinesgleichen nicht einberechnet in ihre schlauen Virologen-Berechnungen.
Er verlässt den Bahnhof und blickt auf zum Dom. Auf der Domplatte tanzen ausgelassen Jugendliche in den letzten Stunden einer letzten Sommerhitze. Er tanzt kurz mit.

Die Hitze hält sich bis tief in die Nacht. Er steht vor einer schweren Eisentür, einem Hintereingang des Wal-Hell-A, aus dem normalerweise düstere Metalmusik dröhnt, und wartet auf Jospehine.
Ein Event wie dieses fühlt sich in diesen Zeiten noch mehr wie ein Geheimtreffen an. Und auch wenn nicht mehr als zehn Paare daran teilnehmen dürfen, eignet es sich bestens für das, was man Superspreading Event nennt. Von hier wird jeder einzelne eine ekstatische Erfahrung mitnehmen. Und garantiert einen Virus.
Er hört Absätze auf dem Straßenpflaster, Jospehine erscheint ganz in Schwarz. Sie küssen sich kühl, lächeln sich an und dann öffnen sie die schwere Eisentür.