Quiet Earth (Teil 4)

Es wurde so still, wie er es noch nie erlebt hatte. Nicht in dieser Stadt zumindest. Nicht in diesem alltäglichen Leben.

Er trat morgens auf den Balkon und atmete die Stille ein. Er wandelte Stille in Fülle und ließ sie auf das Papier fließen.

Eines Morgens rief plötzlich ein Nachbar herüber: „Na, Herr K., auch Homeoffice?“,

„Jaha“, antwortete er ihm stumpf. Und dann: „Nee nee!“

„Ich bin Künstler“, dachte er. „Und jetzt halt Deine Fresse, Du Affe, ich will die Stille genießen.“ 

Trotz solche Zwischenfälle blieb sie, die Stille. Wenn er wieder einmal etwas von den Nachbarn hörte, begab er sich auf Spaziergänge in den menschenleeren Parks und Wäldern. 

Er beschrieb Seite um Seite. Schließlich hatte er was zu erzählen.

Nebenbei traf er sich abwechselnd mit Mareike und Josephine, die bei den Kontaktbeschränkungen eine Ausnahme machten, wenn es nur um Sex ging. Da sie – beide Mütter – zudem sehr fürsorgliche Frauen waren, brachten sie jedes Mal etwas zu essen und zu trinken mit. 

Zusammen mit amazon und dem Getränkelieferanten ersparten sie ihm, die Wohnung überhaupt noch zu Versorgungszwecken verlassen zu müssen. Er machte sich mit dem Darknet vertraut und bekam weitere erdenkliche Konsumgüter direkt nach Hause geliefert.

Über das Darknet kam er auch auf die Idee, wie dieser schier paradiesische Zustand erhalten oder zumindest verlängert werden könnte.