Quiet Earth (Teil 2)

Drei Tage vor dem Lockdown – oder Quietdown, wie er ihn lieber nennt – war er von einem Schweigeretreat im Kloster zurückgekehrt. Mit einem ruhigen Geist, einem wohlwollenden Blick für seine Mitmenschen – und mit einem angefangenen Manuskript, das im Lärm seines wieder laut werdenden Alltags in der Versenkung verschwinden würde. Wie so vieles, das er angefangen und nie vollendet hatte.

Auf der Rückfahrt vom Kloster begegnete ihm an einer Autobahn-Raststätte eine ältere Frau mit Atemmaske. Ein befremdlicher Anblick. Da er sein Smartphone während des Retreats nicht benutzt hatte, hatte er nicht mal die leiseste Ahnung, dass sich dies bald ändern sollte.

An der gleichen Raststätte bekam er eine Whatsapp von Jospehine. „Das wird noch hässlich werden“, schrieb sie. Er kommentierte das mit lachenden Emojis. Jospehine, seine Daueraffäre, war eine Prepperin, sie hatte ungefähr 20 Kilo Nudeln, 10 Kilo Reis und so weiter eingelagert.

In weniger als drei Stunden erdrückte ihn der Lärm der Außenwelt. Das Manuskript landete am selben Tag buchstäblich in der Schublade, während er sich das Geschrei der Nachbarn, ihre Fernseher und Videospiele, ihre Fußballjubel und Schlagermusik anhören musste. Bis er seine Kopfhörer einsetze und in Musik flüchtete.

Unglücklicherweise kann er bei Musik ebensowenig schreiben wie bei jedem anderen Geräusch.

Glücklicherweise wurde es wenig später so still, dass er sein Manuskript aus der Schublade nahm und den Stift wieder über das Papier gleiten ließ.